Gründen im Westen

Wenn es um Startups in Deutschland geht, denken viele an Berlin oder München. Doch auch der Westen beheimatet eine sehr innovative Gründerszene.

Es entstehen immer mehr Neugründungen und spannende Teams sowie eine Reihe von VCs und Business Angels, die hier ihren Sitz haben. Auf NRW entfallen deutschlandweit 19,1 % aller Neugründungen. Angesichts der Corona-Krise, die einige Start-ups in Bedrängnis brachte, legte die landeseigene NRW.Bank zusammen mit dem Wirtschaftsministerium das Angebot „NRW.Start-up akut“ auf. Mit dem Programm wird von der Krise betroffenen Start-ups bis zum Alter von 36 Monaten ein Wandeldarlehen von bis zu 200.000 EUR zur Verfügung gestellt. 2020 wurden darüber 112 Finanzierungsrunden mit einem Volumen von 21,6 Mio. EUR um- gesetzt. Seit April 2021 können geförderte Start-ups eine zweite Finanzierungsrunde über bis zu 300.000 EUR realisieren.

Privates Eigenkapital für innovatives Wachstum

Daneben existieren zahlreiche reguläre Angebote, wie etwa „NRW.SeedCap“ für Co-Investments mit Business Angels, die „win NRW.BANK Business Angels Initiative“, die privates Eigenkapital an innovative Wachstumsunternehmen vermittelt, zinsgünstige Mikrodarlehen, die Crowdfunding ergänzen und themenübergreifende Förderberatung. Technologieorientierte Start-ups sowie Grün- dungswillige aus Hochschulen und Forschung berät das „NRW.BANK.Venture Center“. Die NRW.Bank möchte insbesondere die Kapitalausstattung für Gründungen in Zukunftsbranchen wie der Informations- oder Biotechnologie verbessern.

Vorhaben mit großem Wachstums- und Skalierungspotenzial kann die NRW.Bank aus ihrem Venture-Fonds sowie mittelbar durch regional ausgerichtete Frühphasenfonds unterstützen. Das Interesse der Mittelständler und Konzerne an Start-ups ist gewachsen, und zahlreiche Start-ups wiederum sehen in den Unternehmen ihre Zielgruppen. Gemeinsam mit mehr als 120 regionalen Innovationspartnern können somit Strukturen angeboten werden, die den Kontakt dieser Gruppen untereinander fördert. Dazu zählen zum Beispiel die sechs regionalen Digital Hubs sowie die jährliche Private Equity-Konferenz NRW als übergreifende Plattform.

Investmentmöglichkeiten im Rheinland

Neoteq Ventures hat sich bewusst dazu  entschieden, nach Investmentmöglichkeiten im Rheinland zu suchen und investiert von der Seed-Phase bis zur Series A mit Ticketgrößen von 250.000 bis 1,5 Mio. EUR. Sowohl der Mittel- stand als auch große Konzerne sind auf verschiedenen Ebenen im rheinländischen Start-up-Ökosystem verankert. Die Deutsche Telekom und Henkel engagieren sich stark im Venture-Umfeld und investiert bei Neoteq Ventures, aber auch Mittelständler wie die Weber-Unternehmensgruppe aus Pulheim, die mit Start-ups zusammenarbeiten möchten. Damit biete Neoteq über das Investment hinaus eine spannende Plattform, von der Start-ups profitieren können. Mit dem Wirtschaftsminister Prof. Dr. Andreas Pinkwart hat die Start-up-Szene in NRW zudem einen großen Fürsprecher.

Gemeinsame Handlungsfelder, individuelle Umsetzung

Um die Start-up-Kultur in NRW zu stärken, rief das Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie im Jahr 2018 den Förderwettbewerb „Exzellenz Start-up Center.NRW“ ins Leben. Die Initiative soll helfen, Know-how aus der Forschung verstärkt in Start-ups umzusetzen. Aus 13 eingereichten Konzepten wählte eine Expertenjury im Januar 2019 die RWTH Aachen, die Technische Universität Dortmund sowie die Universitäten Köln, Bochum, Münster und Paderborn aus. Während der fünfjährigen Förderphase erhalten die Hochschulen bis Ende 2024 insgesamt 116 Mio. EUR, um den Gründergeist in Forschung, Lehre, Transfer und Verwaltung einzupflanzen. Um das Potenzial aus der Forschung auch in der Breite zu heben, setzt man in Köln auf Transferscouts. Sie stehen im Kontakt mit den Spitzenforschern und suchen Innovationen mit Gründungspotenzial. Veranstaltungen wie der Gründungsideenwettbewerb, Aktionstage oder der Campus-Gründertag „Rhive“ sollen Studierende, Lehrende und Forschende für Gründung und Unternehmertum interessieren und qualifizieren.

Die Gründerkultur im Ruhrgebiet

Jede größere Universität unter den Ruhrgebietsstädten deckt zukunftsweisende Themen ab. So wurde in Bochum mit dem Horst-Görtz-Institut (HGI) für IT-Sicherheit ein Grundstein für das Thema „Cyber-Security“ im Ruhrgebiet gelegt. Diese Forschungsinstitution zählt in diesem Bereich zu den weltweit erfolgreichsten. Die Technische Universität Dortmund setzt mit dem Studiengang Technologie- und Innovationsmanagement neue Maßstäbe in Sachen Entrepreneurship, und die Universität Duisburg-Essen gewährleistet durch das Fach technische Logistik die Ausbildung qualifizierter Arbeitskräfte in diesem Metier. Mittlerweile sind an fast jeder Universität Start-up-Initiativen vertreten, die Studenten Zugang zu dem Thema verschaffen und dadurch die Gründungskultur vorantreiben. Das Ruhrgebiet ist auf dem Weg zu einem vorzeigbaren Innovationsstandort. Dies bestätigt zuletzt die Ansiedlung einer neuen Venture Capital-Firma in Essen. Cusp Capital nimmt die positive Entwicklung der Gründerkultur wahr und setzt mit seinem 300-Mio.-Fonds neue Maßstäbe für Investments im Ruhrgebiet. 

Quelle:
https://www.vc-magazin.de/wp-content/uploads/_EPAPER_/2021_Standorte_Regionen_VC/epaper/ausgabe.pdf